Burn-out (Burnout) ist in den letzten Jahren zu einem Thema geworden, das die Menschen beschäf­tigt, Medien und populäre Veröffentlichungen, aber auch offizielle medizinische, psychotherapeutische und staatliche Institutionen Stellung nehmen lässt. Von offizieller Seite werden der Begriff und das Beschwerdebild Burnout kritisch, aber ausführlich diskutiert.

Dies zeigt sich in den Ausgaben des Ärzteblattes aus den letzten Jahren oder im Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN). Hier wird dargelegt, dass trotz unterschiedlicher Akzente in den Definitionen drei Dimensionen der Burnout-Beschwerden als wichtig gelten können: 1.) Emotionale Erschöpfung, 2.) Zynismus/Distanzierung/Depersonalisation, 3.) Verringerte Arbeitsleistung. Hierbei sehen die Betroffenen selbst ihre Probleme immer als Folge der Arbeitsbelastung.

Laut DGPPN müssen die „dynamischen Zusammenhänge der arbeitsplatzbezogenen und individuellen Auslöserbedingungen einschließlich eventuell bestehender Krankheiten berücksichtigt werden.“ Burnout wird hier als längerfristige Arbeitsüberforderung gesehen, bei der normal übliche Erholungsphasen nicht zur einer Verminderung der Symptomatik führen.[1]

Burn-out-Beschwerden bedeuten noch nicht das Vorliegen einer Krankheit nach der ICD-10. Sie werden dort bisher im Anhangskapitel aufgeführt: „Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ (Z 73) bzw. „Burnout gleichbedeutend mit Zustand der totalen Erschöpfung“ (Z 73.0). Burnout kann jedoch eine spätere körperliche oder psychische Erkrankung nach ICD-10 nach sich ziehen oder gleichzeitig mit einer bestehenden ICD-10-Erkrankung auftreten.

Der im Bundesgesundheitsblatt 2012 veröffentlichte systematische Review „Burn-out wirksam prävenieren?“ untersucht Studien zur Effektivität individuumbezogener bzw. kombinierter individuum- und arbeitsplatzbezogener Ansätze. [2] Verschiedene Maßnahmen sind laut Review erfolgversprechend:

Sowohl zu rein individuumbezogenen Verfahren als auch zu kombinierten Interventionen liegen nachweislich positive Ergebnisse vor. Die Kombination erwies sich laut Bundesgesundheitsblatt bisher nicht als wirksamer als das rein individuelle Training. Allerdings könnte es sinnvoll sein, in beiden Fällen die Maßnahmen durch Refresher-Angebote in ihrer Nachhaltigkeit noch zu erhöhen. Weitere Studien sind hier nötig.

Im Mittelpunkt der erfolgreichen individuumorientierten Strategien steht ein kognitives Verhaltenstraining, auch kombiniert mit Entspannungstraining. Angestrebt wird eine Veränderung der inneren Einstellung und der Arbeitsmuster, die Entwicklung von vorbeugenden Copingstrategien und die Verstärkung gegenseitiger Unterstützung. Die arbeitsplatzbezogenen Strategien richten sich auf eine Veränderung der Rahmenbedingungen wie z.B. der Arbeitsabläufe und -organisation.

[1] Berger M, Linden M, Schramm E et al (2012) Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) zum Thema Burnout, http://www.dgppn.de/publikationen/stellungnahmen/detailansicht/browse/1/select/stellungnahmen-2012/article/141/positionspap-1.html, Zugriff am 11.9.2013

[2] Walter U, Krugmann CS, Plaumann M (2012) Burn-out wirksam prävenieren? Ein systematischer Review zur Effektivität individuumbezogener und kombinierter Ansätze, http://www.mh-hannover.de/fileadmin/institute/epidemiologie/epi/Publikationen/Walter_U.pdf, Zugriff am 5.9.2013. Vgl. Korczak D, Wastian M, Schneider M (2012) Therapie des Burnout-Syndroms, DIMDI, HTA-Bericht 120, http://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta332_bericht_de.pdf, Zugriff am 19.9.2013

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